Im August 1959 wurde ich als Einzelkind geboren und bin überwiegend bei meiner Oma aufgewachsen.
Nach zwei erfolgreich abgeschlossenen Ausbildungen habe ich in meinem geliebten Beruf als Fotografin gearbeitet, bevor ich vor 20 Jahren eine Stelle in einer Bank angetreten habe.
Im Alter von 20 Jahren habe ich meinen Mann kennen- und lieben gelernt. Wir hatten schöne, aber auch sehr schwere Zeiten, die uns aber nur noch fester zusammen geschweißt haben. 1986 kam unser Sohn Andreas zur Welt und unser Glück schien vollkommen.


   

 

Nur ein dreiviertel Jahr nach der Geburt unseres Sohnes nahm sich mein Schwiegervater, nach einer kurzen, aber schweren endogenen Depression, das Leben. Es war das erstemal, das ich mit Suizid konfrontiert wurde.
Sechs Jahre später, ein Jahr nach dem Tod meiner geliebten Oma, erkrankte mein Mann an einer heimtückischen Krankheit. Bis man erkannte, daß es sich dabei um Schizophrenie handelt, eine Krankheit, die seine Persönlichkeit veränderte, vergingen viele Monate. Monate des Schreckens, der Verzweiflung und der Hilflosigkeit. Nach 5 Monaten Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, nahm sich mein geliebter Mann, nach 8 Tagen wieder zu Hause, das Leben, in dem er vor einen Zug sprang.
Das Unfaßbare war geschehen. Plötzlich standen mein Sohn und ich völlig allein da und ich fühlte mich so einsam und hilflos, so verletzt und im Stich gelassen. Jeder Tag, jede Stunde war so mühsam, wie ein nicht zu überwindender Berg. Ich hatte das Gefühl, ich wäre in ein großes schwarzes Loch gestürzt, alles stürzt über mich zusammen, und ich kann so nicht mehr weiterleben. Auf einmal war nichts mehr so, wie es mal war. Ich versuchte mir immer wieder einzureden, das Leben geht weiter, aber das stimmte nicht . Es blieb genau am Tag des Suizides stehen.
Es war die Hölle, als dann auch noch die Freunde und Nachbarn uns beschimpften und mir die Schuld an allem gaben. Wir wurden angeklagt und verurteilt, ohne das wir je nur eine Chance der Verteidigung gehabt hätten. Mein Sohn und ich rückten immer näher zusammen.

   

In dieser Zeit begann ich zu malen und zu schreiben, weil das für mich die einzige Möglichkeit war, diesen Schmerz und diese Qual auszuhalten.
Es war harte schwere Arbeit wieder zum alltäglichen Leben zurückzufinden, aber es war gut, diesen Weg zu gehen. Ich habe inzwischen gelernt, mit dem Suizid umzugehen und damit zu leben.
Ich habe nach meinem Mann noch einmal einen guten Freund durch Suizid verloren.
Geholfen hat mir dabei auch die Selbsthilfegruppe " Trauer nach Suizid", die ich mitgegründet habe und in der sich Betroffene austauschen können. Im gemeinsamen Gespräch erfahren wir gegenseitiges Verständnis und Hilfe zur Bewältigung der Situation.
Ich habe über meine Erfahrungen ein Buch geschrieben, in der ich ähnlich Betroffenen Mut machen und Hoffnung geben möchte.